Netzentgelte sind die Gebühren, die Energieversorger an die Betreiber der Strom- und Gasnetze für die Nutzung der Infrastruktur zahlen müssen. Diese Kosten werden in der Regel eins zu eins an die Endverbraucher weitergegeben und machen einen erheblichen Teil der gesamten Energiekosten aus. Die rechtliche Grundlage für die Erhebung und Berechnung dieser Entgelte bildet das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) in Verbindung mit der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) und der Gasnetzentgeltverordnung (GasNEV). Die Bundesnetzagentur überwacht die Höhe der Netzentgelte und stellt sicher, dass diese angemessen und diskriminierungsfrei sind. Im Jahr 2026 machen die Netzentgelte beim Strompreis für private Haushalte durchschnittlich etwa 22 bis 25 Prozent des Gesamtpreises aus, was je nach Region stark variieren kann. Die regionalen Unterschiede entstehen, da die Kosten für den Ausbau und die Instandhaltung der Netze, insbesondere für die Integration erneuerbarer Energien, auf die Verbraucher im jeweiligen Netzgebiet umgelegt werden. Neben den reinen Arbeits- und Leistungspreisen umfassen die Netzentgelte auch Kosten für Messstellenbetrieb und Abrechnung.
Im praktischen Alltag sind Netzentgelte der Hauptgrund dafür, dass Verbraucher in ländlichen Regionen mit viel Wind- oder Solarenergie oft höhere Strompreise zahlen als in städtischen Gebieten. Wer beispielsweise in Norddeutschland lebt, wo der Netzausbau für Windkraft stark vorangetrieben wird, trägt historisch bedingt höhere Netzkosten. Um diese Belastung gerechter zu verteilen, wurde eine bundesweite Wälzung der Mehrkosten für die Integration erneuerbarer Energien eingeführt, die im Jahr 2026 zu einer spürbaren Entlastung in den betroffenen Regionen führt. Für Verbraucher bedeutet dies, dass ein Wechsel des Energieversorgers zwar den reinen Energiepreis senken kann, die Netzentgelte am jeweiligen Wohnort jedoch fix bleiben. Jeder Haushalt zahlt automatisch über seine Stromrechnung einen Grundpreis und einen Arbeitspreis für die Netznutzung. Der Stromkosten-Rechner auf rechn24.de hilft dabei, die genauen Bestandteile des Strompreises am eigenen Wohnort zu analysieren und das Einsparpotenzial realistisch einzuschätzen. Wer seinen Verbrauch optimiert, kann zumindest den variablen Teil der Netzentgelte reduzieren.
Mit Blick auf die Zukunft stehen weitere Anpassungen an. Ab 2027 ist eine noch stärkere Flexibilisierung der Netzentgelte geplant. Verbraucher, die steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen oder Elektroautos nutzen und netzdienliches Verhalten zeigen, sollen durch reduzierte Netzentgelte finanziell belohnt werden. Dies bedeutet, dass der Strombezug in Zeiten hoher Netzbelastung teurer und in Zeiten geringer Auslastung günstiger wird. Diese dynamischen Tarife sollen helfen, das Stromnetz stabil zu halten und den Ausbau effizienter zu gestalten. Zudem wird diskutiert, wie die Kosten für den Ausbau der Wasserstoffnetze zukünftig in die Gasnetzentgelte integriert werden können, was für Gaskunden ab 2027 zu weiteren Veränderungen führen dürfte. Die Transformation des Energiesystems erfordert massive Investitionen, die sich langfristig in der Struktur der Netzentgelte widerspiegeln werden.