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Pillar-Guide · April 2026

Altersvorsorge 2026

Der komplette Guide zu gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge, Rürup, Riester und ETF-Sparplänen – mit Rechnern, Checklisten und aktuellen Zahlen.

48 %
Rentenniveau 2026
1.400 €
Durchschnittsrente M
67 J.
Regelaltersgrenze
15 %
Spar-Empfehlung

1. Das deutsche 3-Säulen-Modell

Die Altersvorsorge in Deutschland ruht auf drei Säulen. Erst die Kombination aller drei sichert Ihren Lebensstandard im Alter.

1

Gesetzliche

Grundversorgung

  • Gesetzl. Rente (GRV)
  • Beamtenpension
  • Künstlersozialkasse
  • Berufsständische Versorgung
2

Geförderte

Staatlich unterstützt

  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
  • Rürup-Rente
  • Riester-Rente
  • Pensionsfonds
3

Private

Flexibel & renditestark

  • ETF-Sparpläne
  • Immobilien
  • Aktien, Anleihen, Gold
  • Tages- & Festgeld

2. Säule 1: Gesetzliche Rente 2026

So funktioniert die Rentenberechnung

Ihre monatliche Rente = Rentenpunkte × aktueller Rentenwert. 1 Rentenpunkt = 1 Jahr mit Durchschnittseinkommen. Aktueller Rentenwert 2026: 42,15 € (West) bzw. 41,95 € (Ost).

Beispiel: 45 Jahre Beitragszahlung mit Durchschnittseinkommen = 45 Rentenpunkte × 42,15 € = 1.897 € Brutto-Monatsrente. Abzüglich Kranken-/Pflegeversicherung (~11%) und ggf. Einkommensteuer: netto ca. 1.550 €.

Wichtig: Die Standardrente ist ein Ideal-Szenario. Reale Renten liegen oft 20–40% darunter, da viele Bürger kürzer oder mit geringerem Einkommen einzahlen. Die Renteninformation Ihrer Deutschen Rentenversicherung (jährlich zugeschickt ab 27) zeigt Ihren aktuellen Stand.

3. Säule 2: bAV & Rürup

bAV für Angestellte

Betriebliche Altersvorsorge

Entgeltumwandlung bis 8% der BBG (2026 ca. 7.500 €) sozialabgaben- und steuerfrei einzahlen. Arbeitgeber muss seit 2022 15% Zuschuss zahlen. Auszahlung: steuerpflichtig + KV-pflichtig – daher nicht immer lohnend.

Pro
Steuerersparnis sofort
Sozialabgaben-Ersparnis
AG-Zuschuss 15%
Contra
Auszahlung voll steuerpflichtig
Geringere gesetzl. Rente
Für Selbstständige

Rürup-Rente (Basisrente)

Beiträge bis 27.566 €/Jahr (2026, Single) steuerlich absetzbar. Kein vorzeitiger Zugriff möglich, nicht beleihbar, nicht vererbbar (außer Hinterbliebenenschutz). Staat fördert 2026 mit bis zu 45% Steuervorteil bei Spitzensatz.

Pro
Bis 27.566 € absetzbar
Insolvenzgeschützt
Hartz-IV-sicher
Contra
Keine Auszahlung vor 62
Kapitalwahl begrenzt

4. Säule 3: Private Vorsorge

Der Renditebringer

ETF-Sparplan

Breit gestreuter Aktien-ETF (z. B. MSCI World oder FTSE All-World). Historische Rendite 7–8% p.a. nach Inflation. Kosten 0,1–0,4%. Flexibel, jederzeit kündbar. Beste Option für lange Sparhorizonte (>15 Jahre).

Pro
Höchste Rendite
Volle Flexibilität
Niedrige Kosten
Contra
Kursschwankungen
Kein Steuervorteil sofort
Mit staatlichen Zulagen

Riester-Rente

Staatliche Zulagen: 175 € Grundzulage + 300 € pro Kind (ab 2008). Für Angestellte, Beamte, Arbeitslose. Steuerlich absetzbar bis 2.100 €/Jahr. Nachteile: Hohe Produktkosten, eingeschränkte Flexibilität, nicht vollständig kapitalauszahlbar.

Pro
Staatliche Zulagen
Pfändungsgeschützt
Vermietern erlaubt (Wohn-Riester)
Contra
Hohe Kosten
Komplexität
Auszahlung steuerpflichtig

5. Rentenlücke berechnen

Beispiel: Angestellter, 35 Jahre, 3.000 € netto

Gewünschtes Netto im Alter (80%)2.400 €/Monat
Erwartete gesetzliche Rente1.400 €/Monat
Rentenlücke1.000 €/Monat
Lücke über 20 Ruhestandsjahre240.000 €
Strategie: 30 Jahre × 350 €/Monat in einen MSCI-World-ETF bei 6% Rendite ergibt ca. 345.000 €. Damit schließt sich die Rentenlücke komplett – mit Sicherheitspuffer.

6. Optimale Strategie nach Alter

20–30 Jahre

100% ETF-Sparplan (MSCI World / All-World). Maximale Aktienquote, langer Horizont. Empfehlung: 10–15% vom Netto.

30–40 Jahre

80% ETF + 10% bAV (wenn AG-Zuschuss). 10–20% vom Netto. Erste Immobilie erwägen, wenn Lebensplan stabil.

40–50 Jahre

Mix aus ETF (70%), bAV/Rürup (20%), Tagesgeld (10%). Investitionsquote 20–25%. Rentenlücke exakt berechnen lassen.

50–60 Jahre

Risikoabbau: 60% ETF, 20% Anleihen, 20% Liquidität. Sondertilgung bei Immobilien. Investitionsquote bis 30%.

60+ Jahre

Entnahmestrategie planen: 4%-Regel als Richtwert. 40% ETF, 40% Anleihen, 20% Cash. Rentenbeginn individuell optimieren.

7. Die 7 größten Fehler bei der Altersvorsorge

Zu spät anfangen: Jedes Jahr Verzug kostet bis zu 50.000 € Zinseszins-Effekt.

Zu geringe Raten: Unter 10% vom Netto reicht fast nie für den Lebensstandard.

Teure Produkte: Klassische Lebensversicherungen haben oft >2% Kosten.

Alles auf eine Karte: Nur Immobilie oder nur Aktien – Diversifikation fehlt.

Inflation ignorieren: 3% Inflation halbieren die Kaufkraft in ~24 Jahren.

Kein ETF nutzen: Fondsmanager schlagen den Markt nach Kosten selten langfristig.

Keine Renteninformation prüfen: Jährlich von DRV – oft überraschend niedrig.

FAQ

Häufige Fragen zur Altersvorsorge 2026

Die durchschnittliche gesetzliche Rente 2026 beträgt für Männer ca. 1.400 €/Monat und für Frauen ca. 1.100 €/Monat (Standardrente nach 45 Jahren Einzahlung mit Durchschnittseinkommen). Das deutsche Rentenniveau liegt bei ca. 48% des Durchschnittsnettolohns – deutlich weniger als für einen vergleichbaren Lebensstandard nötig (ca. 70–80%).

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Ihrem gewünschten Nettoeinkommen im Alter und der erwarteten gesetzlichen Rente. Typisch sind 500–1.500 €/Monat Lücke. Beispiel: Sie verdienen netto 3.000 € und möchten 2.500 € im Ruhestand (80%). Ihre gesetzliche Rente beträgt 1.400 €. Lücke = 1.100 €/Monat × 12 × 20 Jahre = 264.000 €, die Sie zusätzlich ansparen müssten.

Faustregel nach Alter und Status: Bis 40 Jahre + Angestellte: ETF-Sparplan (Flexibilität + Rendite). Selbstständige: Rürup-Rente (steuerlich absetzbar bis 27.566 €). Familien mit Kindern: Riester kann durch Zulagen interessant sein. Über 50 mit hohem Einkommen: bAV + ETF. Immobilien-Besitzer: Abbezahlte Immobilie + ETF. Die individuelle Antwort hängt von Steuersatz, Risikobereitschaft und Lebenssituation ab.

Die gesetzliche Rente in Deutschland ist ein Umlageverfahren (aktuelle Arbeitnehmer zahlen für aktuelle Rentner). Beitragssatz 2026: 18,6% des Bruttolohns (hälftig Arbeitgeber/Arbeitnehmer). Rentenpunkte: Ihr Bruttojahreslohn ÷ Durchschnittsentgelt. 1 Rentenpunkt 2026 = ca. 42,15 € Monatsrente (West). Rentenniveau sinkt langfristig von 48% auf ca. 43% bis 2040 – private Vorsorge wird wichtiger.

Riester: Für Angestellte, Beamte und kindergeldberechtigte Personen. Staatliche Zulagen (175 € + 300 € pro Kind). Nachteile: Hohe Kosten, eingeschränkte Flexibilität, viel Bürokratie. Rürup: Für Selbstständige ohne GRV-Pflicht. Kein Zulagensystem, aber hohe steuerliche Absetzbarkeit (bis 27.566 € p.a.). Keine Kündigung möglich. Empfehlung: Riester nur mit Kindern und geringem Einkommen, Rürup bei hohen Gewinnen aus Selbstständigkeit.

Daumenregel: 10–15% Ihres Nettoeinkommens ab dem 25. Lebensjahr. Spätere Start-Daten erfordern höhere Raten: Start mit 30 ~ 15%, mit 40 ~ 20%, mit 50 ~ 30%. Minimum-Beispiel: 300 €/Monat ab 25 Jahre bei 6% Rendite = ca. 600.000 € mit 65. Das entspricht ca. 2.000–2.500 € monatlicher Zusatzrente.

Für den langfristigen Vermögensaufbau (>15 Jahre) sind weltweit gestreute ETFs wissenschaftlich belegt die beste Wahl. Beispielportfolio: 80% MSCI World / 20% Emerging Markets oder einfach 100% MSCI ACWI. Historische Rendite: 7–8% p.a. nach Inflation. Kosten: 0,1–0,4% p.a. (TER). Bei Risikoaversion: 60% ETF / 40% Tagesgeld/Festgeld. Niemals Einzelaktien als Hauptvorsorge.

Regelaltersgrenze: Geburtsjahrgang 1964 erreicht 2029 die volle Rente mit 67 Jahren. Jahrgänge 1947–1963 mit stufenweiser Anhebung. Vorzeitig möglich ab 63 (mit Abschlägen 0,3% pro Monat, max. 14,4%). Besonders langjährig Versicherte (45 Beitragsjahre) können mit 65 abschlagsfrei in Rente. Beamte: je nach Land zwischen 63 und 67. Flexi-Rente 2026: Hinzuverdienst unbegrenzt möglich.

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